Bilderbücher und Bücher zum Vorlesen

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Auswahlkriterien für Kleinkinderbücher

Arbeitskreis Kleinkinderbücher

Kriterien beim Auswählen von Kleinkinderbüchern

Im Vorschulalter bilden sich wichtige Grundlagen bezüglich der Sprachentwicklung, aber auch im Umgang mit Materialien, dem Schönheitssinn, der Sorgfalt usw. Die Kinder gehen mit den Eltern und Erziehern die ersten Schritte ihres neuen Weges. Welche Tore dabei durchwandert werden, ist grundlegend für den weiteren Verlauf des Erdenlebens!

Durch die Wahl guter Kinderbilderbücher leisten wir Erzieher einen nicht zu unterschätzenden Beitrag!

 

Eine gepflegte Sprache

Das Kleinkind lernt durch Nachahmung. Im Spiel wiederholt zuerst die Mutter die Worte, später das Kind selbst. Es lässt die Worte in Melodien und Rhythmen immer wieder neu erklingen, bis sie durch mehrere Sinne eingedrungen und verankert sind. Die Gestik, Mimik, Tonlage und Stimmung, welche das Gegenüber benützt, helfen dem Kind, den mit dem Wort ausgedrückten Begriff einzuordnen.

Solange das Kleinkind noch geschützt im Elternhaus ist, können wir edle, schöne, feine, treffende Worte nennen, die sich einpflanzen. Eine äußerst wichtige Aufgabe, denn: Kinder mit einem umfangreichen, gepflegten Wortschatz, können nicht nur leichter auffassen, was ihnen vermittelt wird, sondern im Gegenzug auch besser zum Ausdruck bringen, was in ihnen vorgeht. Dieses „Empfangen und Senden“ ist für das Leben, wo so vieles über die verbale Kommunikation läuft, von großer Wichtigkeit.

Auch deshalb birgt es große Gefahren, wenn wir Kleinkinder unkontrolliert mit Medien berieseln. Die Darsteller sind oft frech und ungehobelt, aufbrausend, überbordend. Das Benützen von Schimpfwörtern ist an der Tagesordnung und wird so – wie könnte es anders sein – auch bei den kleinen Kindern zur Gewohnheit.

Beobachten wir, in welcher Weise Jugendliche heute über Ihre Mobiltelefone kommunizieren, so finden wir eine erschreckende Verarmung der Sprache. Leider sind auch wir Erwachsenen manchmal versucht, die Sprache mit Abkürzungen, Kleinschreibung und Symbolen zu „vereinfachen“. Das ist kein Fortschritt! Es birgt Gefahr, dass sich die heute hochentwickelte Sprache schleichend zurückentwickelt.

Deshalb mit frischem Schwung an die Arbeit! Setzen wir ein Gegengewicht und beginnen bei uns und unseren Kindern von Anfang an, die uns geschenkte Sprache achtungsvoll zu pflegen.

 

Gemütvolle Bilder

Als gemütvoll bezeichnen wir Bücher, welche die Kinderseele ansprechen. Man könnte sagen, die innerlich anklingen, weil sie z. B. innerlich erwärmen oder anregen oder berühren.

Heute werden schon Kleinkindern Sachbücher vorgelegt, welche unzählige einzelne Details benennen und Kleinkinder zu kleinen Experten aller möglichen (und unmöglichen) Nebensächlichkeiten machen sollen. Jeder von uns wird schon erfahren haben, wie sich „nur“ studierte Menschen im Alltagsleben oft schwieriger tun als solche, die auch handwerklich tätig waren. Kinder können sich später, erst nach der ersten Ausbildung, dann, wenn der Horizont schon größer wurde, zu Experten entwickeln. Dies aber sollte nur bei einer ganz starken Begabung in eine bestimmte Richtung erfolgen. Vorerst brauchen sie unbedingt eine ganzheitliche Entwicklung! Also Gemüt vor Intellekt! Mit dem Intellekt meinen wir den Verstand, wo es um Sachlichkeit und um Sachwissen geht.

 

Schönheitssinn

Wenn wir etwas Harmonisches sehen, atmet das Herz auf: „Ah, ist das schön“ oder „tut das gut“ drängt es in uns empor.

Alles, was Schönheitssinn und Sorgfalt birgt, stimmt uns im Herzen froh. Anders ausgedrückt könnte man sagen: Es macht die Welt ein klein wenig besser! Deshalb brauchen wir alle, insbesondere die Kinder, dringend eine Entwicklung des Schönheitssinns! Der Schönheitssinn betrifft nicht nur das Äußere wie Buchumschlag, Bilder und Zustand des Buches, sondern, wie oben schon erwähnt, auch die Sprache.

Wir empfehlen ganzheitliche, fröhliche, farbenfrohe, harmonische Bilder – ein Spiegelbild des ganzheitlichen, fröhlichen, farbenfrohen und harmonischen Lebensalltags, welcher uns auch in schwierigen Zeiten trägt.

 

Sorgfalt

Dass Kinder keine Sorgfalt lernen, wenn wir ihnen unachtsam zerrissene und zerknautschte Bücher vorlegen oder aber solche, die eine gellende, unschöne Sprache aufweisen, erklärt sich von selbst. Falls sich Erzieher keine neuen Bücher leisten können, bieten Leihbüchereien eine grosse Auswahl an gut erhaltenen Büchern. Auch in Antiquariaten findet sich mit etwas Glück das Gesuchte. Auch können Erzieher gut kleine Korrekturen vornehmen und damit Bücher selber verschönern.

Wie bei allen Dingen, so ist es auch bei Büchern so: Drückt der Erzieher durch seine innere Haltung aus, etwas besonders wertvolles in den Händen zu halten, so prägt sich die Haltung auch ohne Worte still in das Kind ein.

 

Inhalt

Wenn wir die oben beschriebenen Punkte der gepflegten Sprache, der gemütvollen Bilder, des Schönheitssinns und der Sorgfalt beachten, werden wir in der Wahl der Kleinkinderbücher schon besser geleitet. Bücher, welche diesen Kriterien nicht entsprechen, sortieren wir aus.

Betreffend Inhalt macht es wenig Sinn, konkrete Aussagen zu machen. Die Auswahl ist vom Geschmack der Erzieher abhängig, welche wiederum mit der Gleichart der Kinder innerhalb der Familie schwingt. Es gibt nicht nur „gut und schlecht“, sobald wir die oben beschriebenen Punkte beachten. Wer aber seine Aufgabe als Erzieher ernst nimmt, ist aufgefordert, mutig und wachsam die Kinderbücher zu sichten!

Eine bunte Vielfalt bringt Erweiterung, weil das Kleinkind so immer wieder in anderer Form angesprochen wird.

 

Inhalte abändern

Als Mutter habe ich mir erlaubt, bestehende Bilderbücher zu verändern, indem ich Wörter oder Sätze mit einem Bleistift durchgestrichen, ergänzt, ausgetauscht oder den Satzbau umgestellt habe. Auf diese Weise kann ein Bilderbuch entsprechend den Zielsetzungen des Erziehers verändert werden.

Uns ist bewusst, dass sich die Autoren eines Buches stundenlang mit der Wortwahl beschäftigen und Bilder und Sprache mit dem persönlichen „Geschmack“ der Autoren zusammenhängen.

Jedoch trägt nur der Erzieher die Verantwortung für das, was er dem Kind vermittelt. Deshalb ist er aufgefordert, in sich selber abzuwägen, was für das Kind (und ihn selbst) aus welchem Grund passt!

Auch ein altersgerechtes Verändern ist zu bedenken. In der Familie sind oft die Jüngeren dabei, wenn dem älteren Kind etwas vorgelesen wird. Es obliegt der Kunst des Erziehers, hier das richtige Maß zu finden: Was gehört nur dem älteren Kind und wird diesem separat erzählt, was kann ich selber verändern, um es den jüngeren Kindern anzupassen.

 

Lohnt es sich, einen solchen Aufwand zu betreiben?

Es lohnt sich in jedem Fall, solange wir uns auf die inneren Werte besinnen und uns darnach richten! Wichtig ist, dass Erzieher nicht einfach in eine oberflächliche Unterhaltung durch Literatur verfallen. Denn edle Geschichten können edlen Grund wecken!

Wenn die Umstände es zulassen, können Eltern ihre Kinder bis zur Schulpflicht einen Boden mit recht stabilen Wurzeln schaffen, die das Kind auf seinem weiteren Lebensweg begleiten und ihm einen Halt geben können. Folgendes wird dem Kind dadurch im Leben erleichtert:

  • sprachliche Entwicklung
  • Zuhören können
  • Beurteilungsvermögen
  • Schönheitssinn
  • Sorgfalt
  • Freude an guten Dingen
  • Naturverbundenheit und Liebe zur Natur

 

Die Auswahlkriterien in einer Übersicht

Unsere grundsätzlichen Fragen, die wir uns bei der Auswahl von Kleinkinderbüchern vorlegen, lauten:

  1. Regt das Buch das Gemüt (die Kinderseele) oder den Verstand (den Intellekt) an?
  2. Ist alles folgerichtig, das heißt, stimmen „säen und ernten“, „Ursache und Wirkung“ überein?
  3. Welche Werte vermittelt das Buch?
  4. Wie ist die Sprache?
  5. Sind die Bilder und Illustrationen hilfreich?
  6. Wie ist das Buch gestaltet? Schönheitssinn?

Unter den bisher empfohlenen Bilderbüchern und Büchern zum Vorlesen sind einige Kleinkinderbücher mit Bild und kurzem Text beschrieben, welche wir als „Perlen“ bezeichnen würden:

Erarbeitet wurden die Kriterien von einem privaten Arbeitskreis. Unsere Kontaktadresse für Rückfragen und Anregungen zu den Kleinkinderbüchern lautet:

E-Mail: muheim-ursula@bluewin.ch

Postadresse: Frau Ursula Muheim · Haldistr. 60 · 6469 Haldi bei Schattdorf · Schweiz

Vögel in Feld und Wald

Haag, Holger

Ab ca. 6 Jahren

Ein sehr schön gestaltetes Sachbilderbuch mit einfachem, verständlichem Text. Jeder der zwölf gefiederten Freunde ist auf einem Bild zu sehen. Zusätzlich hören wir die Vogelstimmen in einer Originalaufnahme aus der Natur.

Wie besonders ist es, die Stimmen später in Wald und Feld wieder zu erkennen.

(AS)

Der Hase und die Schildkröte

Bernadette

Ab ca. 5 Jahren

Die Schildkröte fordert den Hasen zum Wettlauf heraus. Siegessicher sagt der Hase zu, lenkt aber (durch die viele freie Zeit, die ihm bleibt!) immer wieder vom Ziele ab, während die Schildkröte beharrlich nur das eine Ziel verfolgt und – gewinnt!

Mit hellen, gemütvollen Bildern.

Was wir besonders schön finden: Den beharrlichen „Schildkröten“ unter den Kindern, die mit Fleiß und Ausdauer und viel Arbeit ihre Ziele verfolgen, wird in diesem Buch ein Kränzchen gewunden. Denn: Die „Hasen“, die ihre Aufgaben zu leicht nehmen und ihre „freie Zeit“ ohne tieferes Ziel ausfüllen, sind heute sehr verbreitet.

(AS)

Vom Rehlein Fin

Weber, Mili

Ab ca. 4 Jahren

Eine wahre Geschichte, die eine innige Freundschaft zwischen Mensch und Tier beschreibt. Die vorbildliche Achtung des Menschen gegenüber dem Tier, das Verhalten der Rehmutter gegenüber den Rehkindern und die Natürlichkeit der Erzählung machen dieses Büchlein zur Perle.

Untermalt ist es mit schwarz-weiss Skizzen, die die Schriftstellerin selbst während ihrer Erlebnisse gezeichnet hat.

Der Text wurde von einer Schweizerin verfasst, was sich in Ausdrücken und dem Sprachfluss teilweise bemerkbar macht.

(AS)

Bei den Waldzwergen

Forster, Hilde (Bilder von Felicitas Kuhn)

Ab ca. 3 Jahren.
Pappbüchlein mit Reimen, die durch harmonische Bilder farbenfroh und liebevoll begleitet werden.

 

Has, Has, Osterhas

Winterhager, Daniele und Barbara Cratzius

Ab ca. 3 Jahren

Pappbüchlein mit Liedern, Sprüchlein und Rätsel. Die geschmackvollen Illustrationen wirken hell, farbenfroh, freundlich und heiter.   (AS)

Olles Reise zu König Winter

Beskow, Elsa

Ab ca. 5 Jahren

Olle lernt „Väterchen Raureif“, „Mütterchen Tau“ und „König Winter“ kennen.

Eine Perle, bei der alles stimmt: Die schöne Aufmachung, der insbesondere für Jungen spannende Inhalt, die makellose Sprache und die einfühlsamen, schönen Bilder.   (AS)

Kannst du nicht schlafen, kleiner Bär?

Waddell, Martin (Bilder von Barbara Firth)

Liebevoll erzählt und bebildert: Der kleine Bär hat Angst vor der Dunkelheit und der große Bär hilft ihm mit viel Zuwendung und Geduld.

Ab 4 Jahren

Wurzli und Purzli

Bensing, Hilde (Bilder von Hanna Helwig-Goerke)

Ab ca. 3 Jahren

Die beiden Wurzelkinder machen sich auf den Weg zur Quelle, um die Wurzel ihres kranken Baumes zu retten. Auf ihrer Reise bitten sie die Sonne, den Wind und den Mond um Hilfe, damit ihnen der rechte Weg gewiesen wird.

Zart und liebevoll illustriert.

Dieses Buch zeigt in feiner Weise auf, wie uns die Natur hilfreich zur Seite steht, wenn wir sie darum bitten.

(AS)

Der alte Bär muss Abschied nehmen

Weigert, Udo (Bilder von Cristina Kadmon)

„Was ist denn dann, wenn man tot ist?“ fragte der kleine Fuchs den alten Bären.

„Manche sagen, man schläft einfach nur. Und andere, dass man in den Himmel kommt…“ antwortete der Bär.

Der alte Bär ist (tot)krank. Fuchs, Dachs, Hase, Eichhörnchen, Reh, alle seine Tierfreunde haben sich in seiner Höhle versammelt, um sich von ihm zu verabschieden.

Eine leise, liebevolle Geschichte darüber, dass der Tod etwas ganz Natürliches ist, nicht das Ende von allem bedeuten muss und auch für die Zurückbleibenden geht es weiter.

Zart und fein illustriert, mit viel Gemüt geschrieben.

Ab etwa 4 Jahren.

Berührt auch Erwachsene.   (RK & GK)

 

Eine herausragende Perle, welche ein tiefes Lebensthema kindergerecht darstellt, ohne jeglichen Zwang.   (AS)