Michael Morpurgo
Gefährten

 

Originaltitel: „War Horse“

Millionen Menschen werden im Ersten Weltkrieg getötet und mit, neben oder unter ihnen Millionen Pferde, die es ebenfalls gegen Maschinengewehre, Granaten und Panzer aufnehmen sollen.

Stellvertretend für seine zwei- und vierbeinigen Leidensgenossen erzählt das Kriegspferd Joey von seinen Freuden und Schrecken.

Auf einem Bauernhof in der englischen Grafschaft Devon wachsen der dreizehnjährige Albert und sein geliebtes Pferd Joey auf. Als der Krieg erklärt wird, verkauft Alberts Vater Joey an die britische Kavallerie.

Das Pferd Joey hat während vier Jahren Krieg in Frankreich Berührung mit Briten, Deutschen und Franzosen. Auf allen Seiten finden sich Menschen, die versuchen dem Pferd Gutes zu tun, solche die ihre Menschlichkeit bewahrt und Tierliebe zeigen, auch unter extremen Bedingungen, ständig Verletzung, Verstümmelung und den Tod vor Augen.

Joey wird zunächst als Reitpferd eingesetzt, wobei er als Schnellster bei Angriffen stets in der ersten Reihe dabei ist und – als sein Reiter Captain Nicholls erschossen wird – von deutschen Soldaten übernommen wird. Mit seinem Freund, dem starken Rappen Topthorn, mit Heinie, Coco und zwei Haflingern bilden sie ein Zuggespann, das schweres deutsches Kriegsgerät zu ziehen hat. Später wird Joey zu Verwundeten-Transporten eingesetzt.

Das Pferd unterscheidet nicht zwischen Briten, Deutschen oder Franzosen, nicht nach Farbe der Uniformen oder Form der Stahlhelme, sondern wie die Menschen sich ihm gegenüber verhalten.

Als Joey im umkämpften Niemandsland, zwischen den deutschen und britischen Schützengräben, in Panik sich im Stacheldraht verhängt und am Boden liegend sich nicht mehr selbst befreien kann, versuchen ein deutscher und ein britischer Soldat gemeinsam, das schwerverletzte Tier zu befreien. In diesen Momenten zeigt sich, wie die Liebe zum Mitgeschöpf die todbringenden Waffen auf beiden Seiten wenigstens eine Zeitlang ruhen lässt.

Joey gewinnt zu einigen „seiner“ Menschen große Zuneigung: zum jugendlichen Albert, mit dem er auf dem Bauernhof aufwächst, zu Captain Nicholls, der ihn als Armeepferd kauft. Dann zu den deutschen Rudi und Friedrich sowie zum französischen Mädchen Emilie und ihrem Großvater.

Besonders gut geschildert wird der Unterschied seiner verschiedenen Reiter, so wie das Pferd es spürt:

Corporal Samuel Perkins (mein Ausbilder in der Armee) war ein harter, verbissener kleiner Mann, ein ehemaliger Jockey, dessen einziges Vergnügen die Macht zu sein schien, die er über ein Pferd ausüben konnte. Er ritt streng und mit harter Hand. Peitsche und Sporen waren bei ihm nicht nur zur Zierde da… Ich selbst hatte sehr wohl einen gewissen Respekt vor ihm, der jedoch auf Furcht und nicht auf Liebe gründete.

Mein einziger Trost in diesen ersten Tagen der Ausbildung waren die Besuche von Captain Nicholls jeden Abend. Er allein schien die Zeit zu haben, mich zu besuchen und mit mir zu reden, wie Albert es einst getan hatte. Er setzte sich mit einem Skizzenbuch auf den Knien auf eine Kiste in einer Ecke meiner Box, sprach zu mir und zeichnete mich dabei.—

*

Kavallerist Warren war kein guter Reiter – das spürte ich schon, als er zum ersten Mal auf mich stieg. Er ritt hölzern und hing schwer im Sattel. Er hatte weder die Erfahrung und Sicherheit von Corporal Perkins noch die Finesse und das Einfühlungsvermögen von Captain Nicholls. Er schaukelte ungelenk im Sattel hin und her und ritt mich immer mit zu festem Zügel, so dass ich gezwungen war dauernd  mit dem Kopf zu schlagen, um ihn zu lockern. Doch kaum war er aus dem Sattel gestiegen, war er der freundlichste Mensch. Er pflegte mich sehr umsichtig und wohlwollend und versorgte rasch meine vielen schmerzenden, vom Sattel wunden und aufgescheuerten Stellen, für die ich besonders anfällig war. Er kümmerte sich um mich, wie kein anderer es je getan hatte, seit ich mein Zuhause verlassen hatte. Es war diese liebevolle Zuwendung, die mich während der nächsten Monate am Leben halten sollte.—

Militär-Pferdeärzte und Tier-Sanitäter versuchen zu helfen, zu retten, Leid zu lindern. Als Joeys bester vierbeiniger Freund Topthorn durch das Zuviel an Belastung zusammenbricht, spricht der Tierarzt den umstehenden Offizieren und Soldaten ins Gewissen:

Ich hab es Ihnen gesagt. Das ist zu viel für diese Pferde. Das erlebe ich immer wieder. Zu viel Arbeit bei kargen Rationen und den ganzen Winter über draußen. Ein Pferd wie dieses hier kann nicht alles ertragen. Herzversagen, armer Kerl. Wenn so was passiert, werd ich jedes Mal wütend. So sollten wir Pferde nicht behandeln – da behandeln wir unsere Maschinen besser.—

Zur großen Freude von Tier und Mensch treffen sich die Jugendfreunde Albert und sein Pferd Joey wieder, bleiben Tag und Nacht unzertrennlich,wenn die beiden mit dem Veterinärwagen zur Front und wieder zurück ins Lazarett fahren.

„Albert war immer bei mir und so hatte ich keine Angst mehr vor den Kanonen. Wie vor ihm schon Topthorn schien er zu spüren, dass er mich ständig daran erinnern musste, dass er da war und mich beschützte. Seine leise, sanfte Stimme, seine Lieder und sein melodiöses Pfeifen halfen mir ruhig‘ Blut bewahren, wenn die Granaten einschlugen.“

Dem Autor gelingt es, junge und ältere Leser von der ersten Seite an zu fesseln. Ein Buch nicht allein den Pferdeliebhabern sehr empfohlen.

Alter: ab 12.

*

Verfilmt durch den Regisseur Steven Spielberg ist „Gefährten“ ein sehenswerter Film, doch das Buch ist viel besser. Es sind just die Handlungen, die man für den Film hinzugefügt oder geändert hat, die für mich störend und unglaubwürdig wirken. Wären die Filmemacher bloß näher am Buchinhalt geblieben und hätten nichts hinzufügen wollen!

G.K.

Weitere Bücher von Michael Morpurgo:
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